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Krawalle in Großbritannien - Interview mit dem Politikwissenschaftler Henning Meyer :

Europa & Außen

„Bankrotterklärung der Regierung“

Tagelang wurden Großbritanniens Städte von heftigen Krawallen, Plünderungen, Brandstiftungen erschüttert. In der Nacht auf Donnerstag blieb es angesichts massiver Polizeipräsenz erstmals ruhig. Aber wer sind die Täter, was sind die Motive? spd.de sprach mit dem Politikwissenschaftler an der London School of Economics and Political Science, Henning Meyer. Er warnt vor einer Entwicklung, die auch auf andere Länder übergreifen könnte.

spd.de: Seit dem Wochenende blieb es in der Nacht auf Donnerstag erstmals weitgehend ruhig in London und anderen Städten Großbritanniens. Sind die Krawalle jetzt vorbei oder könnte es weitergehen?
Henning Meyer: Das ist offen. Zunächst einmal ist durch die jetzt massive Polizeipräsenz die Dynamik unterbrochen. Unterschwellig sind aber die Probleme nach wie vor da.

Was waren das für Menschen, die auf die Straße gegangen sind, Gewalt ausgeübt und gebrandschatzt haben?
In den meisten Orten, in denen die Unruhen ausbrachen, gibt es zweifellos massive soziale Probleme. Die Einordnung „jung, arbeitslos, perspektivlos“ trifft sicher auf viele Teilnehmer der Krawalle zu. Die Vorgänge ausschließlich auf sozial abgehängte Jugendliche zu verkürzen, würde der Lage aber nicht gerecht. Ethnische Minderheiten waren ebenso dabei, wie weiße. Unter den Festgenommenen waren längst nicht nur Arbeitslose. Der erste jetzt Verurteilte war etwa ein Teaching-Assistent an der Grundschule. Es scheinen also verschiedene Gruppen aus verschiedenen Gründen beteiligt gewesen zu sein. Gemeinsam scheint aber allen zu sein, dass sie sich entfernt haben von der Mainstream-Gesellschaft. Sie fühlen sich so wenig als Teil der Gesellschaft, dass sie sich zu diesem Gewaltausbruch haben hinreißen lassen. Eine gewisse Perspektivlosigkeit empfinden nicht nur die Arbeitslosen.

Die Motive bleiben also unklar?
Der Soziologe Zymunt Bauman vertritt die These von der Zweiteilung der Gesellschaft. Auf der einen Seite diejenigen, die drin und auf der anderen die, die draußen sind. Bislang ging es dabei darum Essen zu haben oder eben nicht. Bauman modifiziert die These jetzt vor dem Hintergrund der Konsumwelt: Wer konsumieren kann, ist Teil der Gesellschaft. Wer dies nicht kann, steht außen vor – die „neuen have-nots“, gesellschaftlich ausgegrenzt und nicht wahrgenommen. Das ist identitätsstiftend und –bildend. Diese Sichtweise hat viel für sich – vor allem angesichts der massiven Plünderungen, die im Zentrum der Ausschreitungen standen. Ein Erklärungsansatz, vermutlich aber nicht der einzige.

Hat sich die soziale Lage in den vergangenen Jahren verschärft?
Im Zuge der Wirtschaftskrise ist es für die am unteren Ende der Gesellschaft noch viel schwieriger geworden. Dazu kommen radikale Staatsausgabenkürzungen, die die Torys seit einem Jahr durchsetzen. Studieren ist für viele in hohem Maße unattraktiv geworden, weil sich die Studiengebühren verdreifacht haben, Kürzungen bei Ausbildungsunterstützung. Auf kommunaler Ebene sind soziale Einrichtungen dicht gemacht worden: Sport- und Jugend-Clubs etwa. Typische Sozialpolitik, die bislang ein Ventil geboten hat, droht durch die Kürzungen unter die Räder zu kommen. Ob das die Ursachen für die Krawalle sind, ist nicht belegt. Es hat die Situation aber mit Sicherheit auch nicht besser gemacht.

Gibt es angesichts der Erfahrungen der vergangenen Tage schon konkrete politische Forderungen an die Regierung?
Im Zentrum stehen hier vor allem erst mal die Kürzungen bei der Polizei. Gerade in den ersten Nächten war die Polizei-Präsenz ja nicht mal annähernd in der Lage, die Situation in den Griff zu bekommen.

Ist die beschriebene tatsächliche oder gefühlte Perspektivlosigkeit europaweit eine ausschließlich britische Erscheinung?
In Großbritannien muss man die Vorgänge und die soziale Entwicklung als Bankrotterklärung für die „Big Society“ der Regierung werten. Aber ich warne davor, dies als rein britisches Problem zu betrachten. In Spanien gibt es fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit. Dort hat sich ja auch schon eine Protestbewegung gebildet, die bislang noch friedlich ihre Forderungen stellt. Ob das so bleibt ist offen. In Griechenland ist die Lage ähnlich. In Deutschland sehe ich solche Entwicklungen noch nicht. Das soziale Netz hier ist stärker und die Jugendarbeitslosigkeit deutlich geringer. Deutschland ist in diesem Sinne aber eher ein Sonderfall.

Autor: Jan Almstedt
http://www.spd.de/aktuelles/News/16518/20110811_london.html

 

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